Kommunikation macht Organisationen aus, denn sie ermöglicht Gemeinschaft und Abgrenzung und somit die Ausrichtung auf Ziele. Die Begriffe, die wir im Kontext unserer Arbeit nutzen, beeinflussen auch die Art, wie wir arbeiten. Wenn wir unsere Organisation verändern wollen, passiert dies also auch durch unsere Sprache.
Unsere Sprache im Wandel
Du bist, was du sprichst. Sprache beeinflusst, wie wir Dinge wahrnehmen und fühlen. Selbst wenn wir zu einem Thema nichts sagen, sagen wir damit etwas aus. Sprache ist also überall da, wo wir mit anderen in Beziehung treten. Das macht Sprache zu einem wichtigen – wenn nicht sogar zu dem wichtigsten – Werkzeug, um eine Organisation zu transformieren.
In jüngster Zeit wurde unsere Sprache stark beeinflusst durch technologischen Fortschritt, Migration, KI-gestützte Tools wie Siri, DeepL und ChatGPT und neue Kommunikationsformen, insbesondere soziale Medien. Emojis und Abkürzungen haben es längst in die Arbeitswelt geschafft, gesprochene Sprache und Schriftsprache nähern sich immer mehr an. Weiterhin setzen sich immer mehr Menschen für eine politisch korrekte und antirassistische Sprache ein und schaffen eine Sensibilisierung für Wörter, die andere Menschen ausgrenzen und herabsetzen.
Die Wirkung von Sprache
Welche Auswirkung Sprache auf unser Denken hat, zeigt sich in Vorstellungs- und Verhandlungsgesprächen. Eine egobetonte Sprache, Übertreibungen und Selbstüberschätzung werden häufig mit Überzeugungskraft gleichgesetzt. Wer laut spricht, viele Wörter benutzt und einen festen Händedruck hat gilt als kompetent und versiert. Zurückhaltenden Menschen, die von Natur aus wenig reden, wird hingegen weniger Expertise zugeschrieben. Dabei sind es die Introvertierten, die Probleme genau analysieren, gewissenhaft Entscheidungen treffen und aufmerksame Zuhörer sind, die Mitarbeitenden Raum geben, eigene Ideen zu entwickeln. Ein Grund mehr, zu überdenken, wie wir das Sprachverhalten bewerten.
Ein anderes Beispiel: Hören Mitarbeitende ständig negative Geschichten über „schwierige“ Kunden, wird sich dies auf ihre eigene Einstellung auswirken. Der Kunde wird zum Feindbild. Warum nicht aus der Verlierersprache eine Gewinnersprache machen und so ein mitarbeiter- und kundenfreundliches Klima begünstigen? Wenn ein „Fehler“ als „Irrtum“ bezeichnet wird, macht ihn das verzeihlich. Man glaubt kaum, was passiert, wenn ein Geschäft seine Kunden „Gäste“ nennt und aus den Angestellten im Verkauf „Gastgeber und Gastgeberinnen“ werden: der Umgang wird freundlicher, fürsorglicher und wertschätzender. Das wirkt sich auch auf den Umsatz aus.

Zeit für Veränderung
Ein bewusster Umgang mit Sprache verbessert nicht nur die emotionalen Beziehungen unter Mitarbeitenden – es führt auch zu mehr Klarheit in Arbeitsabläufen und weniger konfliktbehafteten Missverständnissen, wenn Floskeln überprüft und gegen klare, unmissverständliche Sprache getauscht werden. Denn unsere Wortwahl hat mehr Kraft, als die meisten ihr zugestehen: Sie kann positive Veränderung vorantreiben und alte Missstände abschaffen. Auch Führungskräfte können in diesem Zusammenhang viel bewirken. Wenn sie konsequent die Dinge beim Namen nennen, werden sie damit einen positiven Wandel anstoßen.
Negative Sprachmuster auflösen
Ein Beispiel ist das Sprechen in „Spannungen“ anstelle von „Problemen“, wodurch konstruktive Lösungsansätze wahrscheinlicher werden. Statische „Stellen“ werden zu wandelbaren „Rollen“, passend zu dem Konzept des flexiblen und agilen Arbeitens.
In diesem Kontext sind „negative“ Sprachmuster Formulierungen, die keinen direkten Lösungs- und Handlungsbezug haben. Das heißt, vage Formulierungen, die nur Probleme, aber keine Lösungen adressieren. Oft heißt es, „Man müsste / könnte / sollte… “, und am Ende bleibt die Aufgabe liegen. Ganz anders wirkt es, wenn wir diese Sätze durch verantwortungsvolle Sprache ersetzen: „Ich werde das erledigen“, „Was brauchst du?“, oder „Kannst du dich morgen darum kümmern?“ Eine lösungsorientierte Sprache benutzt Formulieren wie „Ich werde …“, „Mein Ziel ist …“ „Was ich brauche, ist…“
Bei Luhmann ist Kommunikation eine Einheit aus Information, Mitteilung und Verstehen. Gemeinsam ergibt sich daraus ein soziales System – eben diese Kommunikation erhält das System so lange aufrecht, wie sie anschlussfähig bleibt und weitergeht. Für den einzelnen Menschen bedeutet das, dass sein Bedürfnis nach Information, Austausch und Verständnis als Basis von Zusammenarbeit gelebt wird. Durch Bewusstsein für Sprache kann es wertschätzend und verbindend gestaltet werden.